Mein Buchtipp im November 25: Jonathan Coe, Der Beweis meiner Unschuld

Wer hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht gefragt, warum diese unzufriedenen, alten, ständig wütenden Männer in Machtpositionen immer mächtiger werden? Und warum sie so wütend sind, da sie doch immer bekommen, was sie wollen? Hier finden Sie– nicht die Antwort darauf, aber vielleicht einen Schlüssel und dazu eine witzige Satire über Großbritannien, wo ein kleiner, aber radikaler Zirkel, der im Cambridge der 80er gegründet wurde, systematisch die Demokratie zerstört. 

Der Roman beginnt im September 2022 mit Phil, einer jungen Frau, die gerade ihr Universitätsstudium abgeschlossen hat und zu ihrem großen Verdruss zurück zu ihren Eltern ziehen muss, da sie bisher keine adäquate Arbeit finden konnte. Dort lernt sie den Investigativjournalisten Christopher Swann kennen, der seit den 80ern versucht, einen radikal konservativen politischen Zirkel zu entlarven, der während seines Studiums in Cambridge gegründet wurde. Er erzählt ihr, dass er plant, an einem Kongress teilzunehmen, wo sich diese Leute treffen.

Auf den Weg dorthin stirbt Christopher bei einem Autounfall und Phil beginnt, über dessen Arbeit zu recherchieren. Da sie nichts Besseres zu tun hat, beschließt sie, über Christopher ein Buch zu schreiben, das aus drei Teilen besteht: Einem Cosy-Krimi, einer Dark Academy-Erzählung und einem autofiktionalen Essay. 

Dies alles liest sich äußerst humorvoll und flüssig. Die spannende Handlung ist mit zahlreichen literarischen Rätseln gespickt. Die Politik des Englischen Königreichs wird von der Thatcher Regierung bis zur 49tägigen desaströsen Amtszeit von Liz Truss geschildert, mit Ausblicken und Auswirkungen auf die Ära Trump.

Unbedingt lesen! Das ist äußerst erkenntnisreiche Unterhaltung, aus der man ständig zitieren möchte. 


Bibliographie
Kategorie