Mein Buchtipp im September: Wolf Haas, Eigentum
Die Mutter von Wolf Haas ist der Leserin bereits bekannt. Nach zahlreichen Skiunfällen hat sie den „Jungen Mann“ stets mit Schokoriegeln aufgepäppelt und später widerwillig murrend Diätkost für ihn gekocht, stets mit dem Einwand, er würde viel zu mager. Die Mutter von Wolf Haas war niemals eine beliebte Frau gewesen, im Dorf waren ihre harten Urteile legendär. Deshalb machte sich der Sohn wirklich Sorgen, als die mittlerweile 95-jährige zu ihm sagte, es gehe ihr gut.
Das Misstrauen war berechtigt, der Mutter ging es noch niemals gut und sie hat sich auch fortwährend über ihr Schicksal beschwert. Jetzt musste sie auf ihre alten Tage noch ins Heim umziehen, denn das Haus, in dem sie Jahrzehnte lang gelebt hatte, sollte abgerissen werden. Ihr Leben lang hat diese fleißige Frau auf Eigentum gespart, immer wurde es ihr zuletzt verwehrt.
Nun wird die Mutter besucht, abwechselnd vom Autor und dessen großen Bruder (das ist der, der bei den meisten Skiunfällen eigentlich der Schuldige war). Man redet über alles Mögliche, aber das Hauptthema der alten Frau ist und bleibt das Eigentum.
Ich hätte nie gedacht, dass ich folgendes Wort je bei einer Rezension eines Wolf Haas Romans wählen würde, aber dieses Buch ist herzzerreißend. In unverwechselbarem Duktus beschreibt Haas das Leben seiner Mutter. Für mich ist dies bisher das beste Buch des Jahres. Ich hätte es für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Übrigens: Wir haben zwei signierte Erstausgaben des Titels. Falls Sie an einer dieser Ausgaben interessiert sein sollten, melden Sie sich bitte baldmöglichst!