Mein Tipp im Juni 24: Katherine Mansfield, die Aloe

Katherine Mansfield, 1888 in Wellington, Neuseeland geboren, starb 1923 in Fontainebleau an Lungentuberkulose. Ab 1908 lebte sie in London, wo sie als Schriftstellerin arbeitete und ein Leben in der Bohème führte.  Im September 1915 wurde sie von ihrem geliebten Bruder Samuel in London besucht. Dieser fiel kurz darauf während des 1. Weltkriegs. Für ihn schrieb sie wohl "Die Aloe". Sämtliche Mitglieder und Hausangestellten ihrer Familie finden sich in der Geschichte, sie selbst verkörpert das Mädchen Kezia, ihr kleiner Bruder ist noch nicht geboren, wird aber bereits erwartet.

Mansfield schloss sich dem Bloomsbury Kreis an. 1920 erschien „Die Aloe“ erstmalig, um ein Drittel gekürzt, unter dem Titel „Preludes“, herausgegeben von Virginia und Samuel Woolf.

Die kurze Erzählung „Die Aloe“ handelt vom Umzug einer wohlhabenden Familie aus der Stadt in ein idyllisches Landhaus mit großem Garten. Eine mächtige Aloe wächst auf dem Anfahrtsweg und teilt die Straße in zwei Hälften. Für jedes weibliche Familienmitglied symbolisiert diese hundertjährige Pflanze deren aktuelle Lebenssituation: für die Kinder ist es die Fremdheit in der neuen Umgebung, für die Großmutter ein gutes Omen und für die schwächliche Mutter eine Möglichkeit, sich von den Zwängen ihrer Ehe und Familie wegzuträumen.

Virginia Woolf, mit der Mansfield Zeit ihres schmerzhaften, von Skandalen und schweren Krankheiten geprägten Künstlerlebens im Clinch lag, schrieb über sie „Die einzige Prosa, auf die ich je eifersüchtig war.“

 


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