Mein Buchtipp im April: Anna Hope, Wo wir uns treffen

Man könnte diesen Roman als ein Familiendrama der britischen Oberschicht vor pittoresker landschaftlicher Kulisse beschreiben. Tatsächlich geht es um das Erbe eines Egomanen, dessen Familie sich auf dem 400 Hektar großen Waldgrundstück mit stattlichem Anwesen in Sussex zu dessen Beerdigung trifft.

Jedoch würde dieser eher austauschbare Ansatz dem Wesen der Geschichte nicht gerecht. Tatsächlich ringen hier sehr unterschiedliche Personen um nichts weniger als dem Fortbestand des Lebens, und sie haben äußerst unterschiedliche Auffassungen, was man dazu beitragen könnte. Alle spüren, dass nicht nur ihre Familie, sondern auch die Erde vergiftet ist. Mit den Auswirkungen dieses Giftes müssen sie leben, oder sie versuchen , so gut es geht, irgendwie zu überleben. 

Frannie, die alleinige Erbin der Idylle, ist eine Umweltaktivistin, die die Klimakatastrophe klar im Blick hat. Sie versucht, das geerbte Land zu renaturieren, setzt auf die Selbstheilungskräfte der Natur und kann auf beträchtliche Erfolge ihrer Arbeit stolz sein. Sie, die an den Anfang der Geschichte gestellt wird, hat mit den meisten Dämonen zu kämpfen und scheitert immer wieder – an äußeren Umständen, aber vor allem an sich selbst.

Frannies kleiner Bruder Milo hätte ebenso wie sie Verbundenheit im Sinn. Allerdings sucht er einen wesentlich bequemeren und lukrativeren Weg: Durch halluzinogene Pilze will er das Bewusstsein psychisch gestörter Superreicher verändern und somit die Welt verbessern. Währenddessen bringt die Jüngste der drei Geschwister eine vierte Person ins Spiel: Clara, die Tochter der Geliebten des Vaters, reist aus New York an, um auch an dessen Beerdigung teilzunehmen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, trotz einiger Mängel: Manche der Protagonisten erschienen mir etwas hölzern, manche der persönlichen Geschichten austauschbar. Dennoch blieb der Kern der Story für mich sehr aktuell, und es berührte mich, wie alle nach Lösungen strebten. Meine Lieblingsfigur ist Ned, ein unkonventioneller Althippie, der seit 50 Jahren in einem Bus mit gut gefülltem Kräuterregal auf dem Anwesen der Familie lebt. Er verbreitet immer wieder Zuversicht und verteilt Gegengifte, wenn das Gift alle und alles zu zerstören droht. 


Bibliographie
Kategorie