Mein Buchtipp im April: Heike Duken, Denn Familie sind wir trotzdem

Diese Familiengeschichte, erzählt aus der Perspektive von vier unterschiedlichen Protagonisten, ist so verrückt, verstörend, zärtlich und grausam wie unzählige andere in unserem Land. Sie beginnt in Nürnberg der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, im vorläufigen Zuhause von zwei Brüdern, die vom Onkel zu aufrechten Nazis geprügelt werden sollen. Dieser Onkel war ein bekannter Nürnberger Kinderarzt, der ihm anvertraute behinderte Kinder als "unwertes Leben" abschob und im Sinne der Euthanasie verschwinden ließ.

In der nächsten Generation gibt es eine junge Frau, die unbewusst irgend etwas gut machen möchte und nach dem Abi nach Israel fährt, um in einem Kibbuz zu arbeiten. Dort lässt sie sich von einem schönen blauäugigen schwarzgelockten Kibbuznik mit neunzehn ein Kind machen und kehrt enttäuscht nach Deutschland zurück, weil die Frauen seiner Familie den jungen Mann schützen und von der Deutschen nichts wissen wollen.

Auch ihre Tochter hat eine Stimme im Buch, und das ist die zärtlichste, radikalste von allen. Dazwischen gibt es Verweise zur englischen Urgroßmutter, die als Frau eines Kapitäns lieber mit diesem die Welt bereiste, als sich um ihre Söhne zu kümmern. Mit Sympathie und trotzdem distanziert beschreibt Karin Duve auch diese Abenteuerin, von der einige Fotografien im Buch abgebildet sind. Einige Erinnerungen an diese Mutter trösten die beiden Söhne nach den schlimmsten Grausamkeiten des Onkels, so etwa ihr Gutenachtgruß "Sleep well in your klappriges Bettgestell".

Heike Duven hätte im letzten Jahr bei uns aus ihrem ersten Roman gelesen. "Wenn das Leben dir eine Schildkröte schenkt" ist jetzt als Taschenbuch erschienen. Wir bemühen uns um eine Onlinelesung mit der Nürnberger Autorin und Psychotherapeutin, die in Nürnberg eine eigene Praxis hat.


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