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Buchtipps - Ortrud Mücka

“Das Leben vor uns” ist ein Perestroika-, ein Wenderoman.

Wir schreiben das Jahr 1967 und Swinging London erlebt den sogenannten „Summer of Love“

„Lügen über meine Mutter“ erzählt von einer Familie in den 80er Jahren in der ständig das Gewicht der Mutter im Mittelpunkt steht. Der Vater macht das Übergewicht der Mutter für alles in seinem Leben verantwortlich, was nicht so läuft, wie er sich das vorstellt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Sie selbst verausgabt sich und kümmert sich um alles.

Helene, Mutter von drei Kindern steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand! Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit.

Johannes Laubmeier hat ein ganz wunderbares Debüt geschrieben. Schon das witzige Cover hat mich angesprochen. Ein kleiner Junge mit Taucherbrille und Regenjacke, ein Meeresforscher für einen Tag, der seinen Vater am Bahnhof von der Arbeit abholt.

Giorga und Filippo sind ein Paar, Mitte dreißig und leben in Mailand. Die beiden sind etwas lethargisch und unstet. Sie führen eine „seltsame“ Beziehung. „Ihre Träume sind verflogen.“ Giorga hat ihr Schauspielstudium abgebrochen und jobbt als Kassiererin in einem Supermarkt. Filippo führt widerwillig die Bar seiner Eltern.

Es ist der 11. März 1985. Sowjetische Radiosender spielen Chopins Trauermarsch. Ein untrügliches Zeichen für die Bürger, daß jemand aus dem Politbüro gestorben ist. Es wird der Tag des Umbruchs sein, der Tag an dem Michail Gorbatschow das Amt des Generalsekretärs übernimmt, der Tag der letztendlich das Ende des kalten Kriegs eingeläutet hat.

„Meine Schwester“ ist die sehr bewegende Autobiografie von Bettina Flitner, Fotografin und Ehefrau von Alice Schwarzer. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Erinnerungen an Ihre Schwester und die gemeinsame Kindheit. Bettinas Schwester nahm sich 2017 das Leben, genauso wie Jahrzehnte davor schon ihre Mutter, die ihr Leben lang mit Depressionen kämpfte.

„Die Heldin reist“ ist Doris Dörries drittes autobiografisches Buch. Sie erzählt von drei Reisen, nach San Francisco, Japan und Marokko. Ihre Erzählungen, Erinnerungen und Beobachtungen drehen sich dabei ums Unterwegssein als Frau-egal ob sie alleine, mit einer Freundin oder einem Mann reist. Unterwegs zu sein war für Doris Dörrie vor der Pandemie der absolute Idealzustand, nie war sie länger als drei Monate zuhause in München. Das kann man auch spüren.

„Niemand hofft 1929 noch auf die Zukunft. Und niemand will an die Vergangenheit erinnert werden. Darum sind alle so hemmungslos der Gegenwart verfallen.”