Mein Buchtipp im Januar 2021: Wie alles kam. Roman meiner Kindheit

Der Kinderbuchautor Paul Maar blickt auf seine Jugend zurück und will damit sich und allen anderen erklären, wie alles kam. Dies ist ihm wahrlich gelungen, und noch viel mehr: Der Leser erfährt nicht nur von Paul Maars Kindheit bei den Großeltern in Obertheres und seinen Lausbubenstreichen. Er kehrt auch mit ihm zurück nach Schweinfurt zum von Kriegserfahrungen und vom Leben allgemein verbitterten, ungeliebten Vater. Aus der elterlichen Spießbürgerlichkeit und Kälte flieht er zur Familie seiner Jugendfreundin Nele, die in Schweinfurt ein Theater besitzt. In diesem Künstlermilieu fühlt er sich sofort zu Hause, hier kann er seine Talente als Maler und Schriftsteller ausprobieren.

Wir kennen Nele als Paul Maars langjährige Ehefrau, die ihn zu vielen seiner Lesungen begleitete. Auch im Theater Pfütze, wo wir Paul Maar zweimal zu Ehren unseres Lesekoffer-Abschlussfests begrüßen durften, konnte ich den damals über Achzigjährigen mit seiner schönen Frau erleben, ihre zärtliche Kommunikation ist mir noch heute in Erinnerung. Erst in Maars Autobiographie erfuhr ich, dass Nele Maar vor einigen Jahren an Alzheimer erkrankt ist. Dies hätte ich niemals für möglich gehalten. Es ist wunderschön zu lesen, wie Paul und Nele Maar mit dieser Krankheit umgehen. Auch andere Stellen im Buch haben mich tief berührt, z. B. der Tod seiner Oma Rethel und die nachdenklichen letzten Erinnerungen an seinen Vater. Ein lesenswerter Roman eines zutiefst menschlichen Autors.

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