Mein Tipp im Juli: Benjamin Wood, Der Krabbenfischer
Nach alter Tradition verlässt der 21-jährige Thomas Flatt wie jeden Tag bei Morgengrauen das Haus seiner 36jährigen Mutter, um mit seinem Pferdekarren an der Küste Englands Krabben aus dem Meer zu ziehen. Ein anderes Leben kann er sich kaum vorstellen, seit er mit 14 nach einem Unfall seines Großvaters aus der Schule geholt wurde, um für den Unterhalt der kleinen Familie zu sorgen.
Als er stinkend und tropfend zurückkommt, sehnt er sich vor allem nach einem heißen Bad, doch im Wohnzimmer wartet ein Mann auf ihn, der nicht im üblichen Sinne an seiner Mutter interessiert zu sein scheint. Er stellt sich als Filmregisseur vor und will an dieser einsamen, unwirtlichen Küste einen Roman verfilmen. Er hat Thomas bei der Arbeit gesehen, und dies hat sein Herz so sehr berührt, dass er meint, ihn für seinen Film zu brauchen. Der Nebel ist ideal als Kulisse und Thomas lässt sich als Fremdenführer anheuern. Niemand kennt das Meer mit seinen Unwägbarkeiten so gut wie er.
An einem einzigen Tag verändert dieser vaterlose junge Mann seine Sicht auf das Leben und schärft seinen Blick darauf. Es ist wunderbar zu lesen, wie Thomas sich entwickelt, wie er reflektiert und dabei immer bei sich bleibt. Mich erinnert Thomas Flatt an den jungen Conor Lyons in Colum McCans „Gesang der Kojoten“.