Anne Freytag, Blaues Wunder
Auf den ersten Blick hat „Blaues Wunder“ alles für einen perfekten „Sommerwohlfühlroman“: eine Luxusyacht vor der Traumkulisse der Philippinen, Sonne, türkisblaues Meer, schöne,elegante Menschen, eine erotisch aufgeladene Fremdliebelei. Aber der Schein trügt. Dieser Roman ist ein psychologisches Kammerspiel mit allen Raffinessen. Drei Paare machen zusammen Urlaub. Zwei davon um die 40, erfolgreich, souverän. Und der Gastgeber Walter, exzentrisch, superreich und Chef einer Privatbank. Seine Frau und ihr erwachsener Sohn sind auch dabei. Walter hat seine beiden besten und engsten Mitarbeiter, Konkurrenten im Berufsalltag, samt ihren Ehefrauen auf die Yacht eingeladen. Sie machen Ausflüge, es gibt tolles Essen, Small Talk. Alles sehr schön, aber man spürt schon nach wenigen Seiten, da stimmt was nicht. Fragt sich nur was. Das Gerücht geht um, Walter möchte seine Nachfolge regeln. Einen Nachfolger erwählen. Schnell wird klar, das ist kein entspannter Urlaub, sondern eine Prüfung. Rund um die Uhr, sieben Tage lang. Es gibt Punkte für Schönheit, Leistung, Charisma, und das sowohl für die beiden Männer, als auch für ihre Ehefrauen. Es entsteht ein unerbittlicher Konkurrenzkampf. Auch für die Frauen steht etwas auf dem Spiel. Sie unterstützen ihre Männer bei diesem Machtkampf. Der Roman ist aus der Perspektive der Frauen geschrieben. Sie erzählen abwechselnd und sind die eigentlichen Hauptpersonen. Nach und nach kommen Geheimnisse ans Licht, die Fassade bröckelt. „Blaues Wunder“ ist ein Roman über Intrigen, Machtspiele und dunkle Geheimnisse. Witzig, bissig, böse. Man liest ihn in einem Rutsch durch, weil er gut unterhält, ohne zu überfordern.
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