Mein Buchtipp im August: Bevor wir uns vergessen
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“
Eine alte Dame sitzt auf einer Bank im Jardin du Luxemburg in Paris. Ein alter Herr nähert sich ihr und fragt sie diesen Satz. Diese Szene bildet den Auftakt des Romans.
Genau diese Szene steht wortgleich auch am Ende des Buches. Dazwischen liegen 67 Jahre. Alice und Jules sind beide 85 Jahre. Mehr als sechzig Jahre hat das Ehepaar gemeinsam verbracht. Jetzt sitzen sie hier zusammen und drohen zu vergessen.
Der Roman erzählt ihre Liebe rückwärts. In Zeitsprüngen von 5, 7, oder nur 2Jahren zurück zu ihrem ersten Zusammentreffen im Jahre 1955.
Alter, Routine, Affären, Eifersucht, Eltern werden, Heirat, Leidenschft all das haben die beiden in den vergangenen Jahren erlebt. Und alles fügt sich langsam verständlich aneinander. Sie haben es nicht leicht miteinander und man fragt sich, warum die beiden eigentlich noch zusammen sind. Aber sie können auch nicht ohne einander...
Der Roman ist eine wunderschöne Liebesgeschichte ohne Kitsch, spröde und zärtlich zugleich. Nebenbei erfährt man auch noch viel über den Algerienkrieg und die Studentenrevolte der 60iger Jahre in Paris.
Ein französischer Kritiker sagte: „Vielleicht ist ein Paar, das so lange zusammenbleibt, das größte Abenteuer unserer Zeit." Ein weiser und wahrer Satz.