Mein Buchtipp im Juli: Arno Frank Seemann vom Siebener

Das Buch für den Sommer!!!

Man darf sich von dem Titel nicht verwirren lassen. “Siebener” ist ein Sprungturm, “Seemann” eine Sprungfigur wo man einfach mit dem Kopf und Arme auf den Rücken voran runterspringt.

Ein einziger Ort, an einem einzigen Sommertag. Ein Schwimmbad in der Provinz. Ein Ort der aus der Zeit gefallen scheint. Ein Paradies, das immer mehr verschwindet. Hier treffen sich Leute wieder, es ist ein trauriger Anlass, eine Beerdigung. Sie sind alle so um die 40. Waren früher zusammen in der Schule und haben sich damals schon im Freibad getroffen. Es werden total schön die Geschichten dieser Freundschaften erzählt und was sie jetzt wieder zusammenführt.

Kiontke, ein Bademeister-Urgestein, seit Jahrzehnten am Beckenrand. Im Unterhemd und Flip-Flops, leicht abgewrackt und in die Jahre gekommen aber unangefochtene Respektsperson und ein echt cooler Typ. Renate, die Frau am Eingang, raucht Kette, kennt Hinz und Kunz, mag Kreuzworträtsel und heimlich auch Kiontke. Der Kioskbesitzer, ein Starfotograf, der extra aus USA anreist und etliche andere Besucher. Eine bunt gemischte Figurenschar, quasi ein Querschnitt unserer Gesellschaft. Nach und nach erfahren wir ihre Lebensgeschichte.

Eine voll lustige Szene ist als Lennart, der Starfotograf sich ein Eis kaufen will. Die Eiskarte studiert und alles steht noch drauf wie in seinen Jugendjahren: Cornetto Nuß, Nogger Choc, Split. Aber Lennart möchte ein anders. Der Name ist ihm zu blöd und er möchte ihn partou nicht aussprechen. Aber Sergei, der Kioskbesitzer verlangt es und Lennart muss es tun. “Flutschfinger” flüstert er ganz leise. Das Eis mit dem idiotischstem Namen aller Zeiten. So witzig…!

Die Tragödie, die sich abspielt läuft eher so am Rande mit. Hält aber die Spannung aufrecht. Ein Mädchen möchte vom “Siebener “ springen. Der ist aber gesperrt , weil mal ein Unglück passiert ist. Die Dramen und Krisen der Personen werden so beiläufig erzählt. In einem ganz besonderen Ton, lakonisch cool, doch auch gefühlvoll.

Es ist ein ganz wundervolles Buch. Eine total schöne, berührende Geschichte. Man fühlt sich zurückversetzt in die Freibadmomente der Kindheit. Es riecht nach Pommes, Chlor und warmen Gras. Und es ist einer der letzten schönen Sommertage des Jahres.

Gehen sie doch wieder mal ins Schwimmbad und nehmen sie dieses Buch mit.

 


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