Mein Buchtipp im März 24: Dani Shapiro, Leuchtfeuer
“Es ist dieser Moment, der alles verändert. Nichts ist mehr wie vorher. Da ist die große Schuld, die von nun an allgegenwärtig ist und das weitere Leben prägt.”
“Leuchtfeuer“ beginnt ziemlich spektakulär. Wir sind in der Division Street in einem Vorort von New York. In einer Sommernacht baut der 15-jährige Theo einen Unfall. Eigentlich hätte er gar nicht fahren dürfen, aber seine ältere Schwester Sarah ist zu betrunken und gibt ihm den Schlüssel. Als er sich während der Fahrt eine Zigarette anzündet, verliert er die Kontrolle und kracht gegen eine alte Eiche direkt vor dem Haus seiner Familie. Auf dem Beifahrersitz wird Misty, die Freundin seiner Schwester, getötet. Um ihren Bruder zu schützen, behauptet Sarah, sie sei gefahren. Alle in der Familie wissen, dass das nicht stimmt, aber sie reden nicht darüber. Fast ein ganzes Leben wird es verschwiegen, bewahrt jeder dieses Geheimnis für sich, zerbricht fast daran.
“Leuchtfeuer” ist ein großer Familienroman. Es geht um die Verflechtung dieser beiden Familiengeschichten, alles ist mit allen verbunden. Die Figuren entwickeln unterschiedliche Lebensläufe, die alle durch diesen Unfall, das Verschweigen und Verdrängen, was in den Jahren danach stattfand, beeinträchtigt werden. Wir begleiten die zwei Familien über paar Jahrzehnte. Es beginnt 1985 und geht bis in die Corona-Pandemie. Die Geschichte ist nicht chronologisch erzählt. Sie springt zwischen den Jahren und Jahrzehnten hin und her. Aber man verliert nie den Überblick.
Die Verbindung dieser fremden Menschen hat eine Magie, ist melancholisch und bittersüßerzählt. Ein tröstender Roman, der hoffnungsvoll stimmt. Ein wirklich wunderschönes, lebensbejahendes Buch, dramatisch mit einem Hauch von Kitsch (was nicht stört!). Mein Lieblingsbuch im Frühjahr.