Mein Tipp im Januar: Jane Campbell: Kleine Kratzer

„Wenn Sie meinen, das Debüt einer Achtzigjährigen müsse milde und nostalgisch sein, irren Sie sich gewaltig. (Blurb aus „Ophra Daily")

Das Debüt einer Achtzigjährigen zu veröffentlichen? Irre? Der Kjona Verlag hat sich getraut. Mit Erfolg.
Jane Campel ist eine achtzigjährige Autorin, lange Zeit Psychotherapeuthin in Oxford mit einem wahnsinnigen Selbstvertauen. Ihre erste Geschichte „Katzenbuckel“ hat sie gleich an die wichtigste englische Literaturzeitschrift  „The London Review of Books“ geschickt,die sie prompt veröffentlichte und daraufhin begeisterte Zuschriften erhielt.
Ihr Buch „Kleine Kratzer“ ist eine Sammlung von 13 Short-Stories, deren Hauptpersonen alle Frauen sind. Alte Frauen. Frauen über 70. Eine liegt im Krankenhaus und verliebt sich in ihre 50 Jahre jüngere Pflegerin. Und es wird was draus. Eine bekommt von ihrem Sohn so einen Hausroboter, der alles leichter macht im Alltag im Haushalt. Bis sie irgendwann checkt, dass er eine Aufpasserfunktion hat und programmiert ihn einfach um.
Es sind Frauen, die von allen unterschätzt werden und in Wirklichkeit viel mehr erkennen und wissen als man ihnen zutraut. Frauen jenseits aller Klischees, wie sie bisher oft in der Literatur dargestellt werden. Nicht milde, verständnisvoll und nett. Hier sind sie selbstbestimmt und selbstbewußt.
Jane Campell schreibt schonungslos, bissig und böse aber immer voller Empathie. Oft sind es nur Andeutungen mit einem Hang zur Ironie. Es sind Geschichten voller Humor, manchmal auch etwas derbe, aber immer außergewöhnlich. Außergewöhnlich gut! Unbedingt lesen!


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