Mein Tipp im Juni: Teresa Präauer, Kochen im falschen Jahrhundert

Es gibt Quiche…

“Kochen im falschen Jahrhundert “ von der jungen österreichischen Autorin Teresa Präauer. Man sieht schon an dem sehr schönen Buchcover, das die Autorin übrigens selbst gestaltet hat, da sie auch bildende Künstlerin ist, daß es in diesem Buch ums Essen geht.

Besser gesagt um ein Abendessen. Ein junges Paar, die Gastgeberin und ihr Partner, lädt zum ersten Mal Freunde in ihre neue Wohnung ein. Ein Ehepaar, das gerade ein Baby bekommen hat und einen schweizer Freund, der zwar auch eine Freundin hat, die aber nicht mitkommen kann. Allesamt gut situierte Mitvierziger mit erlesenem Geschmack. Sie sind bemüht locker, tatsächlich aber durch und durch spießig. Alle bleiben namenlos.

Es soll der perfekte Abend werden. Die Gastgeberin möchte mondän und gesellschaftsfähig wirken. Bis ins kleinste Detail hat sie sich ihre erste Party in der neuen Wohnung ausgemalt. Sie hat Einladungen drucken lassen, Kochbücher gewälzt, sich schließlich für eine Quiche entschieden, bodenständig und gut vorzubereiten. Zur Auflockerung stellt sie einen Wiesenblumenstrauß auf den dänischen Designertisch. Der perfekte Abend mit Jazzmusik im Hintergrund und dem richtigen Cremant. Alles bis ins kleinste geplant doch dann läuft  es furchtbar schief:

Die Gäste kommen zu spät. Sie machen Instastories beim Essen. Es kommt unerwarteter Besuch. Sie betrinken sich, zu schnell, weil sie eigentlich Eheprobleme haben. Es läuft völlig aus dem Ruder.

Und das nicht nur einmal sondern mehrere Male. Viermal lässt Teresa Präauer den Abend neu beginnen. Erzählt ihn in neuen Variationen, immer ein bisschen anders.

Die Geschichte erinnert ein bisschen an “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?” oder an “Gott des Gemetzels” wenn Eheleute sich zum Essen treffen ist das Chaos vorprogrammiert.

Teresa Präauer beschreibt sehr detailverliebt, präzise und mit großem Sprachwitz was sich so alles in unseren Küchen abspielen kann. Sehr zeitgemäß, witzig und zynisch. Ironisch und auf den Punkt gebracht.

Es ist aber auch ein Plädoyer sich nicht den Erwartungen anderer und gesellschaftlichen Zwängen zu unterwerfen. Zu denken alles muss perfekt sein wie aus einem “Lifestylemagazin”,  sondern einfach Freunde einladen und Spaß haben.


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