Leon Engler, Botanik des Wahnsinns
Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter bleibt ein junger Mann mit einem Berg Rechnungen und ungeöffneter Briefe zurück, sämtliche Habseligkeiten der Familie wurden versehentlich entsorgt.
Der junge Mann leidet unter panischer Angst, verrückt zu werden. Kein Wunder, denn in seiner Familie ist der Aufenthalt in der Psychiatrie fast schon normal. Was tut der Protagonist der Geschichte, um, zumindest vorläufig, nicht selbst wahnsinnig zu werden? Er wird Psychologe und schreibt die Anamnese seiner Familie, gibt ihr eine neue Geschichte. Voller Zärtlichkeit, ohne Vorwürfe, voller Mitgefühl für extreme Gefühlslagen, böse Erbanlagen und schwere Schicksalsschläge. Reihenweise könnte man zitieren aus diesem klugen Buch. Wie weit sind wir davon entfernt, endgültig verrückt zu werden, angesichts alter und noch bevorstehender (Kriegs-)Traumata? Welche unserer Geschichten vererben wir an unsere Nachfahren?