Mein Buchtipp im April 2024: Sarah Winman, Das Fenster zur Welt
Toskana, im Sommer 44. Hier begegnen sie sich zum ersten Mal: Ulysses, ein junger britischer Soldat im Einsatz und Evelyn, eine 64jährige Kunsthistorikerin, die ihre geliebten Gemälde vor den Bomben des 2. Weltkriegs retten will. Ein einziger Tag, der für beide viel bedeutet und der zumindest für Ulysses weitreichende Folgen haben wird.
Aufgrund der Begegnung mit Evelyn Skinner gönnt er sich einen Tagesaufenthalt in Florenz, rettet einem Mann das Leben und kehrt dann nach dem Krieg mit einer völlig neuen Sichtweise der Welt zu Frau und Freunden in die Londoner Stammkneipe zurück.
Wer „Lichte Tage“ gelesen hat, ahnt jetzt schon, dass die Figuren dieses Romans kein gewöhnliches Personal sind – Sarah Winman gelingt es tatsächlich wieder, ihre Menschen schimmern zu lassen, man blickt tief hinein in die Seelen und entdeckt dort neben viel Alkohol (London, Florenz) und gutem Essen (Florenz) auch Abgründiges, Skurriles, Zartes.
Der Roman ist in mehreren Teilen geschrieben, einige davon spielen nur in Florenz, und warum das so ist, möchte ich hier nicht verraten. Es gibt viel Kunst, viele Anspielungen auf Literaturklassiker und englische Borniertheit und natürlich ist der ganze Roman eine Hommage an E.M. Forsters „A room with a view“. Ein wunderbarer Sommerroman, Freundschaften wie die im Buch würde man sich wünschen, trotzdem bin ich nicht vollkommen begeistert.
Im Gegensatz zu „Lichte Tage“ hat sich Sarah Winman vergaloppiert, sie hat zu viel gewollt. Manche Episoden hätten nicht auserzählt werden müssen, manche hätte man getrost streichen können. Das letzte Kapitel über Evelyns Begegnung mit E.M. Forster war für die Handlung des Romans meiner Meinung nach überhaupt nicht relevant. Trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen und empfehle es allen, die Kunst und Italien lieben und gerne dicke Gesellschaftsromane lesen.