Mein Buchtipp im April 23: Robert Seethaler, Das Café ohne Namen
Wien, 1966: Der junge Kriegswaise Robert Simon verdient sein Geld als Hilfsarbeiter auf dem Karmelitermarkt. Dort will er ein Café eröffnen, und nach einigen Überlegungen und Gesprächen mit seiner Vermieterin, einer alten Kriegerwitwe, geht er sein Vorhaben an.
Das Café, eigentlich eher ein Ort, wo es hauptsächlich Bier und nur im Winter einen guten Punsch gibt, wird zum Treffpunkt der Menschen aus dem Viertel. Arbeiter und einsame Frauen, Halbstarke und Schausteller, jeder hat etwas zu erzählen oder auch nicht und bringt sein Leben und seine Geheimnisse mit.
Robert Seetaler hat einen wunderbaren Roman geschrieben. Wie bei „Der Trafikant“ und „Ein ganzes Leben“ erfasst er bei der Schilderung seines Helden dessen innersten Kern und dabei gelingt es ihm, seine Leser zum Träumen zu bringen. Mich hat die Geschichte, die in Leopoldstadt der Jahre 66-76 spielt, sehr an die Erzählungen meines Vaters erinnert, über eine Vergangenheit, in der alles möglich schien, und wo man einfach sein Ding gemacht hat, egal, ob man das Geld dazu hatte oder die Umstände dagegensprachen.