Mein Buchtipp im August: Zora del Buono, Seinetwegen
8 Monate alt war Zora del Buono, als ihr Vater bei einem Autounfall getötet wurde. Nun ist sie 60, ihre Mutter, mit der sie nie über diesen Verlust sprechen konnte, dement und im Heim. Eine Lücke muss geschlossen werden, immer fehlte ein wichtiger Mensch in ihrem Leben, den sie nicht einmal vermissen konnte, weil sie ihn nie kennengelernt hat.
So macht sie sich auf Spurensuche nach E.T., dem "Töter", mehr als dessen Initialen sind ihr anfangs nicht bekannt. Ist es sinnvoll, im Leben eines Greises zu wühlen, von dem man nicht einmal weiß, ob er noch lebt?
Mit Hilfe von Listen, in wunderbaren KAFFEEHAUS Gesprächen (meine Lieblingsstellen im Buch), wissenschaftlichen Recherchen und lückenhaften Forschungsergebnissen puzzelt sie sich einen Vater zusammen, nur um einmal lakonisch festzustellen, dass sie dessen „Töter“ jetzt besser kennt als ihn.
Ob die Autorin des wunderbaren Romans „Die Marschallin“ tatsächlich einen neuen Roman geschrieben hat, weiß ich nicht. Mich hat dieses Buch sehr berührt. Jeder, der früh einen wichtigen Menschen verliert, wird nachvollziehen können, was del Buono versucht: Auf den Seiten 22/23 habe auch ich mich wiedergefunden, unter der Liste der eigenen Deformationen… „Die Unmöglichkeit von Nähe, das Wissen, dass sie in Sekunden zerschlagen werden könnte (…) - besser nicht drauf einlassen.“