Mein Buchtipp im August: Zora del Buono, Seinetwegen

8 Monate alt war Zora del Buono, als ihr Vater bei einem Autounfall getötet wurde. Nun ist sie 60, ihre Mutter, mit der sie nie über diesen Verlust sprechen konnte, dement und im Heim. Eine Lücke muss geschlossen werden, immer fehlte ein wichtiger Mensch in ihrem Leben, den sie nicht einmal vermissen konnte, weil sie ihn nie kennengelernt hat.

So macht sie sich auf Spurensuche nach E.T., dem "Töter", mehr als dessen Initialen sind ihr anfangs nicht bekannt. Ist es sinnvoll, im Leben eines Greises zu wühlen, von dem man nicht einmal weiß, ob er noch lebt?

Mit Hilfe von  Listen, in wunderbaren KAFFEEHAUS Gesprächen (meine Lieblingsstellen im Buch), wissenschaftlichen Recherchen und lückenhaften Forschungsergebnissen puzzelt sie sich einen Vater zusammen, nur um einmal lakonisch festzustellen, dass sie dessen „Töter“ jetzt besser kennt als ihn.

Ob die Autorin des wunderbaren Romans „Die Marschallin“ tatsächlich einen neuen Roman geschrieben hat, weiß ich nicht. Mich hat dieses Buch sehr berührt. Jeder, der früh einen wichtigen Menschen verliert, wird nachvollziehen können, was del Buono versucht: Auf den Seiten 22/23 habe auch ich mich wiedergefunden, unter der Liste der eigenen Deformationen… „Die Unmöglichkeit von Nähe, das Wissen, dass sie in Sekunden zerschlagen werden könnte (…)  - besser nicht drauf einlassen.“
 


Bibliographie
Tipp
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Seinetwegen
Zora del Buono
Seinetwegen
Roman
EAN: 978-3-406-82240-7
SCHWEIZER BUCHPREIS 2024 "Heute vor sechzig Jahren geschah der Unfall. Buche das einzige Zimmer, das sich ad hoc finden lässt, in einem Seminarhaus mit Blick über den Walensee, in dem hoch gelegenen Dorf, das Vater und Onkel querten, bevor sie den Berg hinab und ins Verderben fuhren." Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 bei einem Autounfall starb. Der tote Vater war die große Leerstelle der Familie. Mutter und Tochter sprachen kaum über ihn. Wenn die Mutter ihn erwähnte, brach die Tochter mit klopfendem Herzen das Gespräch ab. Sie konnte den Schmerz der Mutter nicht ertragen. Jetzt, inzwischen sechzig geworden, fragt sie sich: Was ist aus dem damals erst 28-jährigen E.T. geworden, der den Unfall verursacht hat? Wie hat er die letzten sechzig Jahre gelebt mit dieser Schuld? Seinetwegen ist der Roman einer Recherche: Die Erzählerin macht sich auf die Suche nach E.T., um ihn mit der Geschichte ihrer Familie zu konfrontieren. Ihre Suche führt sie in abgründige Gegenden, in denen sie Antworten findet, die neue Fragen aufwerfen. Was macht es mit ihr, dass sie plötzlich mehr weiß über ihn, den Mann, der ihren Vater totgefahren hat, als über den Vater selbst? Und wie kann man heil werden, wenn eine Leerstelle doch immer bleiben wird? Der viel zu frühe Unfalltod eines Vaters ? und was er für das Leben der Tochter bedeutet hat Roman einer Recherche: Detailgenau, raffiniert komponiert, so präzise wie poetisch Das neue Buch von Zora del Buono nach dem Bestseller ?Die Marschallin? Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024

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