Mein Buchtipp im Februar 24: Elizabeth Strout, Am Meer
Lucy Barton ist wieder da! Sie erinnern sich, das war doch die zierliche Schriftstellerin mit harter, bettelarmer Kindheit, zwei Töchtern und 2 Männern – der letzte, geliebte Mann war am Ende von „Oh, William“ verstorben. William, ihr Ex, kommt auch im neuen Roman von Pulitzer Preisträgerin Elizabeth Strout wieder vor: Zunächst einmal bringt er sie raus aus New York und organisiert ein Haus am Meer – in Maine, einsam an einer Küste gelegen, weit entfernt von allen…
Lucy Barton versteht nicht, so wie viele den Anfang der Pandemie in NY nicht verstanden hatten und zusehen mussten, wie nach und nach Freunde, Bekannte und Familienangehörige starben. Jedoch vertraut sie William wie immer und verlässt die geliebte Stadtwohnung, um sie anschließend nie wieder zu sehen.
Hätte ich gewusst, dass es in diesem Roman um Corona geht, um die Abgeschiedenheit und Einsamkeit des Lockdowns, hätte ich das Buch vielleicht nicht angefangen - nach Tim Parks „Hotel Milano“ hatte ich eigentlich nicht vor, mich nochmals mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Und doch packt sie mich immer wieder, diese wunderbar einfühlsame Autorin, di e ihrer Heldin Lucy Barton nun eine „liebevolle Mutterstimme“ verpasste (wahrscheinlich nachdem sich diese während einer Therapie mit ihrem inneren Kind beschäftigt hatte) und die es immer wieder schafft, dass sich ihre Leserinnen in ihr finden. Bloß: Ein bisschen „Olive Kitteridge“ hätte nicht geschadet. Ich liebe einfach diese Frau mit den Haaren auf den Zähnen. Allerdings gibt es wenig Hoffnung, dass über Olive noch ein Buch geschrieben wird: Mittlerweile befindet sie sich im Pflegeheim, ist inkontinent und hat ihren 2. Ehemann überlebt. Schade, eigentlich…