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Mein Buchtipp im Januar 23: Arno Geiger, Das glückliche Geheimnis

„Das glückliche Geheimnis“ will uns Arno Geiger enthüllen: Und ich bin gespannt. Seit langem ließ der Autor nichts von sich hören, da stürze ich mich doch begeistert auf ein neues Buch von ihm. Schon auf der ersten Seite wird das Geheimnis gelüftet, es geht um seine jahrzehntelange Quellensuche in den Altpapiercontainern Wiens. Was er da fand, bei seinen frühmorgendlichen Streifzügen, wurde gelesen, verkauft, verwertet, gesammelt und wieder weggeschmissen. Zuerst sind es Bücher, die ihn beschäftigen, wertvolle Funde zuweilen, dann immer mehr Tagebuchaufzeichnungen, Persönliches.

Er bemerkt, dass sein Schreiben von dem Wühlen im Abfall der Anderen beeinflusst wird, kommt einem ungestelzten Erzählen immer näher, dadurch, dass er den Menschen immer näherkommt, indem er ihre Geheimnisse kennt.

Zuerst, muss ich zugeben, fand ich diese Lektüre etwas langweilig. Vieles wird wiederholt, Geiger ist ein gründlicher Schriftsteller, der jeden Gedanken reflektiert. Doch dann hat’s mich doch gepackt: Das ist die Geschichte eines Schriftstellers, der mich schon lange begleitet, und jetzt weiß ich zum Beispiel, wie „Alles über Sally“ entstehen konnte – ein Buch, das mir tatsächlich einmal empört zurückgegeben wurde, nachdem ich es einer guten, sehr belesenen Kundin empfohlen hatte, mit den Worten „Wie können Sie mir nur so einen Schund empfehlen“ (..es ging darum, dass Sally, während sie mit ihrem Mann eine schockierende Nachrichtensendung ansah, die möglicherweise die Welt verändern würde, tatsächlich über dessen schreckliche Stützstrümpfe nachdachte…) Die Reaktion der empörten Kundin habe ich nie vergessen, und auch meine ersten Gedanken dazu nicht: Weil es so ist, dachte ich mir, weil wir Menschen so sind! Wir gehen wie Sally zu Beerdigungen, weil wir uns dringend mal ausheulen müssen, nicht zuletzt über uns selbst.

Wenn man „Das glückliche Geheimnis“ weiterliest, erfährt man mehr über den Vater des Schriftstellers, dem mit „Der alte König in seinem Exil“ ein Denkmal gesetzt wurde, ein zärtliches und wunderbares Buch über Demenz. Die Mutter kommt ins Buch, sowie die wichtigen Frauen seines Lebens. Am besten ist Arno Geiger, wenn er die Menschen beschreibt, die er liebt. Wenn er versucht, sich selbst zu beschreiben, wird das oftmals lustig. Man sieht einen trotzigen Mann vor sich, der alles begründen und erklären muss, dabei macht er doch alles ganz toll. Meiner Meinung nach wären ein paar Reflektionen weniger besser gewesen – und hoffentlich schreibt er, der am Ende sagt „Ich mag Dinge. Ich mag Menschen. Ich mag Niedergeschriebenes“ – hoffentlich schreibt er weiter. Ich mag seine Romane.

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Kategorie: Doris Höreth