Mein Buchtipp im Juli: Nava Ebrahimi, Und Federn überall

Wie im klassischen Drama gibt’s hier eine Einheit von Ort, Zeit und Handlung: Sechs Menschen befinden sich an einem nebelverhangenen Tag in einer hässlichen Kleinstadt im Emsland. Weltweit berühmt ist dieser Ort nur für seine massenhafte Produktion von Hühnerfleisch.

Die sechs Menschen wollen an diesem Tag ihrem Leben eine neue Richtung geben. Da ist Sonja, die in der Hühnerfabrik arbeitet. Ihre Aufgabe ist es, verhärtete Hühnerherzen aufzuspüren und am Fließband die entsprechend unbrauchbaren Hühnerbrüste auszusortieren. Sonja ist alleinerziehend, hat eben ihre tobende pubertierende Tochter zu Hause eingesperrt, ihren Sohn in der Kita abgeliefert und am Nachmittag ein Bewerbungsgespräch mit ihrem Vorgesetzten, um endlich aus der verhassten Fabrikhalle ins Büro aufzusteigen.

Dann gibt es Merkhausen, ihren Vorgesetzten, der auf Frauen mit polnischem Akzent steht, und Anna, die aufstrebende Programmiererin, die eine technische Lösung für die verholzten Hühnerbrüstchen finden will.  Justyna überlegt, wie es mit ihrer Liebe weitergeht und auch Nassim spielt mit, ein Afghane mit Tunnelblick aus Kabul, der hofft, dass seine Gedichte das Herz des Asylamts erweichen mögen. Dazu muss er aber erst einen Menschen finden, der diese aus dem Arabischen übersetzt. 

Dieser Mensch soll die iranische Autorin und Übersetzerin Rushi sein, die Nassim heute treffen will Und dann wird doch alles anders als geplant.

Ein wirklich humorvoller, raffiniert komponierter Text, den ich mit sehr großer Freude gelesen habe. Der Titel war 2025 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis, und die Autorin wird am 16. Juli die Texttage 2026 eröffnen. Darauf freue ich mich jetzt schon! Lesen Sie das Buch, wenn Sie Spaß an einer ausgefeilten Sprache und wunderbaren Dialogen haben.


Bibliographie
Tipp
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Und Federn überall
Nava Ebrahimi
Und Federn überall
Roman - Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025 - 'Einer der schönsten Romane des Jahres.' Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung
EAN: 978-3-630-87745-7
Ausgewählt als einer der '100 besten Romane des Jahres.' DIE ZEIT Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird? Der neue Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin. Eine Kleinstadt in der norddeutschen Provinz. Sechs Menschen, die ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen. Ein Tag, der alles verändert. Nebel liegt über den Feldern und dem Kanal. Es ist, als ob der Winter nicht zu Ende gehen will in der kleinen Stadt Lasseren im Emsland. Hier auf dem platten Land ist jahrein, jahraus nicht viel los. Wer Arbeit sucht, kommt an Möllring nicht vorbei, dem riesigen Geflügelschlachthof am Stadtrand. Für eine Handvoll Menschen beginnt dieser Montagmorgen mit großen Erwartungen. Sonia, alleinerziehende Mutter, hofft auf einen Job weit weg vom Hühnchen-Zerlege-Fließband. Für die junge Ingenieurin Anna steht mit dem Testlauf eines neuen Automatisierungsverfahrens bei Möllring so gut wie alles auf dem Spiel. Merkhausen wiederum, verlassener Ehemann mit einem Faible für Polinnen und zuständig für die Prozessoptimierung im Schlachtbetrieb, fiebert einem Date am Abend entgegen. Und dann ist da noch der geflüchtete Afghane Nassim, der sich in eine Affäre mit der zwanzig Jahre älteren Justyna verstrickt und fest daran glaubt, dass seine Gedichte die deutschen Beamten erweichen werden. Um diese zu übersetzen, ist Roshi, deutsch-iranische Autorin, extra aus Köln angereist. Als ein rücksichtsloser Fahrradfahrer dem sehbehinderten Mann mitten im Ort den Blindenstock kaputt fährt, bringt Nassim es mithilfe des örtlichen Radiosenders nicht nur zu lokaler Berühmtheit. Er bringt auch die Menschen dazu, der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen. Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi taucht ein in das Leben einer kleinen Stadt im Emsland und verknüpft die Geschichten von sechs Menschen zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman über die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?

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Und Federn überall
Nava Ebrahimi
Und Federn überall
Roman - Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025 - - 'Einer der schönsten Romane des Jahres.' Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung
EAN: 978-3-442-77661-0
Ausgewählt als einer der '100 besten Romane des Jahres.' DIE ZEIT Nebel liegt über den Feldern und dem Kanal. Es ist, als ob der Winter nicht zu Ende gehen will in der kleinen Stadt Lasseren im Emsland. Hier auf dem platten Land ist jahrein, jahraus nicht viel los. Wer Arbeit sucht, kommt an Möllring nicht vorbei, dem riesigen Geflügelschlachthof am Stadtrand. Für eine Handvoll Menschen beginnt dieser Montagmorgen mit großen Erwartungen. Sonia, alleinerziehende Mutter, hofft auf einen Job weit weg vom Hühnchen-Zerlege-Fließband. Für die junge Ingenieurin Anna steht mit dem Testlauf eines neuen Automatisierungsverfahrens bei Möllring so gut wie alles auf dem Spiel. Merkhausen wiederum, verlassener Ehemann mit einem Faible für Polinnen und zuständig für die Prozessoptimierung im Schlachtbetrieb, fiebert einem Date am Abend entgegen. Und dann ist da noch der geflüchtete Afghane Nassim, der sich in eine Affäre mit der zwanzig Jahre älteren Justyna verstrickt und fest daran glaubt, dass seine Gedichte die deutschen Beamten erweichen werden. Um diese zu übersetzen, ist Roshi, deutsch-iranische Autorin, extra aus Köln angereist. Als ein rücksichtsloser Fahrradfahrer dem sehbehinderten Mann mitten im Ort den Blindenstock kaputt fährt, bringt Nassim es mithilfe des örtlichen Radiosenders nicht nur zu lokaler Berühmtheit. Er bringt auch die Menschen dazu, der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen. Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi taucht ein in das Leben einer kleinen Stadt im Emsland und verknüpft die Geschichten von sechs Menschen zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman über die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?

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