Mein Buchtipp im März: Daniel Glattauer, „Die spürst du nicht“
Zwei angesehene Wiener Familien fahren gemeinsam in den Urlaub in die Toskana. Die Tochter der einen Familie lädt dazu eine Klassenkameradin ein, ein Flüchtlingsmädchen aus Somalia. Gleich am ersten Tag geschieht ein entsetzliches Unglück, das Mädchen ertrinkt im Pool des Ferienbungalows.
Dieser Tod löst einen Riesenskandal in der Wiener Society aus, zumal eine der Beteiligten eine Abgeordnete im Nationalrat der Grünen ist. Dabei geht Glattauer hart mit all den sogenannten Gutmenschen ins Gericht, die politisch alles richtig machen wollen und doch in ihren Eitelkeiten gefangen sind. Der Schluss knallt nochmal so richtig.
Ich muss sagen, dass mir beim Lesen manchmal der Atem stockte, viele der Situationen kamen mir bekannt vor, vieles hätte ich wahrscheinlich ähnlich gemacht oder gedacht. In gewohnt federleichtem Ton watscht Glattauer unsere Gesellschaft ab. Reflektive und tieftraurige Passagen wechseln sich ab, verschiedenen Perspektiven und Sichtweisen werden deutlich. Sogar Buchtitel ist doppeldeutig und richtungsweisend. Ich wünsche diesem Buch zahlreiche Leserinnen und Leser!