Mein Buchtipp im Mai: Caroline Wahl, „Windstärke 17“
Große Freude, aber auch etwas Herzklopfen verspürte ich beim Eintreffen des Leseexemplars. Würden die Erwartungen, nach einem solchen Debüt, nicht viel zu hoch sein? Als ich beim Lesen des liebevollen Briefes der Autorin an die Buchbranche las, dass es diesmal um Tildas kleine Schwester Ida geht, konnte ich nicht anders und musste sofort mit der Lektüre beginnen.
Ida hat gerade das 2. Semester ihres Literaturstudiums abgeschlossen, als ihre Mutter sich umbringt. Überdosis. Natürlich ist es Ida, die die Tote bei der Rückkehr von einem schönen Wochenende in Prag findet. Der schwarze Klumpen aus Hass, Wut und Trauer wächst über sie hinaus, sie kündigt die Wohnung und flieht erstmal, wobei sie praktischer Weise auch ihr Handy auf Flugmodus stellt.
Weg von ihrer besorgten Schwester, die sie mehrmals zu erreichen versucht, weg von ihrer vermeintlichen Schuld, weg vom Grab der Mutter, das sie noch nicht besucht hat. Ida landet am Meer, wo sonst. Auf Rügen findet Sie erstmal Knut und Arbeit in dessen Kneipe, dann Marianne und Leif. Viel mehr kann ich nicht erzählen, das würde zu Kitschig klingen, zu konstruiert.
Allerdings, wer den Schreibstil der Autorin kennt, schätzt es, dass sie bei allem Drive niemals kitschig sein kann. Ihre Figuren sind so realistisch, dass man sie nach wenigen Seiten zu kennen meint, Ida bleibt bei all ihren guten und weniger guten Entscheidungen, Ängsten und Fluchten glaubhaft. Hier wird die Geschichte einer Co-Abhängigen erzählt, die zutiefst berührt. Und einen interessanten Typen hat Caroline Wahl auch für sie gefunden. Wo diese Autorin immer ihre Männer her hat!