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Mein Buchtipp im September: Martin Kordic, Jahre mit Martha

Zeliko, der von allen „Jimmi“ genannt wird, ist 15, als er sich in die Heidelberger Professorin verliebt, bei der seine Mutter putzt. Martha, 48, gebildet und sehr gepflegt, wirkt magisch angezogen von dem Wissensdurst und von der Schönheit des Jungen, der Literatur zu inhalieren scheint und seinen Wortschatz durch Zeitungslektüre aus Altpapiercontainern erweitert. Bald hat sie ihn quasi adoptiert, er hilft ihr in Haus und Garten, während ihre reichhaltige Bibliothek und gemeinsame Theaterbesuche ihn zu sozialisieren scheinen für ein Leben, das er sich ersehnt.

Zuhause in der engen Zweizimmerwohnung im Keller des Ludwighafener Friedenszentrums, das nahe am Chemiekonzern gebaut wurde, wartet die Familie, die aus der heißgeliebten kleinen Schwester, der sich stets aufopferungsbereiten Mutter und dem rebellischen großen Bruder besteht – der Vater ist wie immer auf Montage, um sich für seine Familie im In- und Ausland den Buckel krummzuarbeiten.

Wo gehört er hin? Was soll aus ihm werden? Was bedeutet Herkunft, was ist Identität? All diese Fragen hat sich auch Sasa Stanisic gestellt. Hier, aus der Feder eines Jungen aus der Herzegowina, hören sich diese Fragen sanfter, aufwühlender, schmerzhafter an. Ein betörender Roman, zart und wortgewaltig zugleich.

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783103971637
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Kategorie: Doris Höreth