Mein Tipp im April: Elizabeth Strout, Erzähl mir alles
Zwei meiner alten Freundinnen treffen sich im neuen Roman von Elizabeth Strout: Lucy Barton, eine erfolgreiche Schriftstellerin aus New York, lebt seit einigen Jahren mit ihrem Exmann William in Cosby, einem kleinen Küstenstädtchen in Maine. Das ist die Heimat von Olive Kitteridge, der mittlerweile 90jährigen Mathematiklehrerin, die in einem Altenheim am Stadtrand lebt. Durch Bob Burgess, einen gemeinsamen Freund, lernen sich die beiden Frauen kennen.
Der ruhige und beschauliche Ort wird durch einen rätselhaften Kriminalfall erschüttert: Eine alte Frau verschwindet, ihre Leiche wird schließlich in einem gestohlenen Kleinwagen am Grunde eines Sees geborgen. Die ehemals verhasste Küchenhilfe der örtlichen Schule (die Kinder nannten sie „Bitch Ball“) lebte mit ihrem erwachsenen Sohn zusammen. War er der Mörder, was alle verstanden hätten?
Keine andere Autorin schreibt so einfühlsam über Einsamkeit und innere Kälte ihrer Protagonisten. Sie behandelt Themen wie Freundschaft, Wahrheit, Mutterschaft so radikal ehrlich und dennoch mit einer radikalen Empathie für ihre Figuren. Elizabeth Strout lesen ist wie nach Hause kommen.