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Mein Tipp im November 21: Alina Bronsky, Barbara stirbt nicht

Eigentlich dürfte man so ein Buch im November nicht empfehlen: Es geht um den pensionierten Elektrofachverkäufer Walter Schmidt, der eines Morgens auf dem Weg zum Badezimmer über seine Frau stolpert, die dort auf dem Boden liegt, und alles was ihm spontan zu dieser verstörenden Situation einfällt, ist: „Wer kocht mir jetzt meinen Kaffee?“ Tatsächlich ist Barbara schwerkrank, wahrscheinlich halbseitig gelähmt, was genau mit ihr passiert ist, wird man im Verlauf der Geschichte nicht erfahren. 

Allerdings ist gut zu beobachten, wie  aus dem Spießer Schmidt ein treusorgender Ehemann wird, der sich dem Willen seiner Frau, nicht ins Krankenhaus zu gehen, unterwirft und alles tut, um ihr die letzte Lebenszeit so schön wie möglich zu machen. Das ist spröde erzählt, oft komisch und zugegebenermaßen mit einigen inhaltlichen Mängeln (wer würde nicht sofort den Krankenwagen rufen, wenn die eigene Ehefrau schwerkrank ist). Großartig sind die Szenen mit Helmut, dem Hund, der bei allen Hausarbeiten Walters fassungslos zusieht, dabei oft winselt und seine Schnauze mit den Pfoten bedeckt.

Wer Alina Bronsky kennt, kennt auch ihren Sarkasmus und die Tiefe, mit der sie ihr Thema,  die Russendeutschen und die osteuropäischen Aussiedler,  ausleuchtet. Auch in diesem schmalen Band lauert der eine oder andere Abgrund, und manchmal bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Die junge Autorin hat 2008 aus „Scherbenpark“ bei uns gelesen, und seitdem lese ich jedes Buch von ihr. In einer Rezension des Deutschlandfunks werden ihre letzten Romane mit  Folgen der „Lindenstraße“ verglichen, „Gute Laune Literatur mit Humanistischem Anstrich“. Dem kann ich mich nur anschließen.

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783462000726
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Kategorie: Doris Höreth