Mein Tipp im Oktober: Julia Kröhn, Die Gedanken sind frei. Eine unerhörte Liebe
Frankfurt, 1945. Im Bombenhagel ist von der Verlagsbuchhandlung ihrer Eltern kaum etwas geblieben, doch Ella Reichenbach beschließt, den Papiervorrat ihrer verstorbenen Mutter dafür zu verwenden, den Verlag wieder aufleben zu lassen.
Bitter ist das Erbe aus dem 2. Weltkrieg, auch in ihrer Buchhandlung wurde denunziert und man hat sich mit dem System arrangiert, ihre Mutter ist daran zerbrochen. Ella beschließt, alles anders zu machen und ihren Kunden nicht nur beschauliche Lektüre anzubieten sondern auch Lesestoff, in dem es darum geht „zu einem Zustand der Klarheit zurückzufinden“.
Ihre Beziehung zu Ari führt sie nach Zeilsheim in ein Lager, in dem überlebende Juden aus den Vernichtungslagern von den Amerikanischen Besatzungssoldaten als Displaced Persons untergebracht wurden. Dort lernt sie Aris Vater kennen, einen Schriftsteller, der im Verlag ihrer Eltern veröffentlicht hatte, und möchte dessen Geschichte aufschreiben. Sie braucht lange, bis sie den Hass und das Misstrauen, das ihr entgegenschlägt, verstehen kann.
Nicht zuletzt ist diese Geschichte eine Huldigung des deutschsprachigen Buchhandels, der es immer wieder geschafft hat, in Krisenzeiten zu bestehen und dazu beizutragen, dass die Gedanken und Geschichten großer Menschen nicht vergessen werden. Für Insider ist es interessant, zu erfahren, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in der Nachkriegszeit entstand, wie es dazu kam, dass Lizenzen wieder vergeben und Bücher gedruckt wurden und wie es nach der Währungsreform einem großen Teil der Gesellschaft gelang, Wohlstand zu erwerben.