Meine Tipps im Oktober: Tim Parks, Hotel Milano
Der 75jährige Witwer Frank reist zur Beerdigung eines Freundes nach Mailand. Er hofft, dort eventuell seine Exfrau zu treffen, mit der er schon seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hatte- auch sie hatte ein Verhältnis mit dem Toten, der zu Lebzeiten ein brillanter Denker und Chef einer meinungsbildenden internationalen Zeitung war.
Was Frank nicht auf dem Schirm hatte, war, wie brenzlig die Lage in Bezug auf Corona mittlerweile in Italien war. Er hört nicht auf die warnenden Worte seines Sohnes und ignoriert standhaft die Tagespresse, so wie er es aus vermeintlich guten Gründen schon eine Weile getan hat. So kann er anfangs gar nicht glauben, dass er aus dem noblen Hotel Milano so schnell nicht mehr wegkommt. Es gibt eine Ausgangssperre, der Flugverkehr kommt zum Erliegen und das Fernsehen bringt Horrormeldungen von Tausenden Pandemieopfern.In der Abgeschiedenheit des Hotels lernt er unverhofft zwei Menschen kennen, die sein Weltbild revidieren.
Ein trauriges, nachdenklich stimmendes Buch, das viel hochspült, was wir gerne schon wieder vergessen hätten…