Romane, die in der Natur spielen
Ist das jetzt schon ein Trend oder suche ich mir gerade explizit die Romane aus, die vor großer Kulisse spielen? In der kargen Abgeschiedenheit der Bergwelt, den Naturgewalten ausgesetzt? Drei Titel stechen hervor, die auf unterschiedliche Weise mit der Einsamkeit und Zurückgezogenheit ihrer Protagonisten spielen.
„Wild wuchern“ von Katharina Köller handelt von der panischen Flucht einer jungen Wienerin, die sich mitten in der Nacht einen Berg hochkämpft, um bei ihrer Cousine Schutz zu finden. Diese lebt seit Jahren als Eremitin auf einer entlegenen Tiroler Alm. Sie kann dem urbanen Leben mit seinen Eitelkeiten nichts abgewinnen, spricht fast nicht und ist nicht erfreut über den Besuch, den sie als eine Bedrohung für ihr selbstbestimmtes Leben empfindet.
In einem schwierigen Prozess kommen sich die beiden so unterschiedlichen Frauen näher und erfahren auch mehr von den Beweggründen der jeweils anderen. Dies ist fantastisch gut beschrieben.
„Kaltblut“ von Wolfgang Maria Bauer ist die Geschichte eines unfassbar grausigen Unfalls, bei dem in einer abgelegenen Berghütte elf Männer ums Leben kommen. Oder war es ein Verbrechen? Stubber, der Sprengmeister, wird zwar vom Anfangsverdacht freigesprochen, hadert aber mit sich selbst. Dabei könnte jeder der Mordopfer selbst der Täter sein.
Während Stubber mit seinem Gewissen ringt, wird eine wunderschöne, sehr besondere Geschichte erzählt: Die des jungen Sprengmeisters und der weißlockigen Frau, die in Sibirien auf die Walz ging und in einem abgelegenen Bergdorf ihre große Liebe fand.
„Der Gott des Waldes“ von Liz Moore spielt in den Adirondack Mountains während der 70er Jahre. Ein idyllisches Sommercamp, in dem 13jährige, vor allem Abkömmlinge reicher New Yorker Familien, das Leben im Einklang mit der Natur ausprobieren dürfen. Mitten in dieser Idylle verschwindet ein Mädchen – ausgerechnet die Tochter der Besitzer, die 14 Jahre vorher auf ebenso mysteriöse Weise ihren kleinen Sohn verloren hatten. Ein Familiendrama, das gesellschaftliche Spannungen und die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich entlarvt! Vorsicht, Pageturner!