Mein Tipp im August Susanne Abel, Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
Wieder hat die Autorin ein Thema angepackt, das nach dem 2. Weltkrieg jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt wurde. Es geht um Misshandlung, Missbrauch und Arzneimittelversuche an sogenannten Findelkindern, die nach dem 2. Weltkrieg in deutschen Kinderheimen unerträglich viel Leid erfahren mussten.
Die Geschichte handelt von Hardy und Margret. Hardy, der eigentlich Fritzi hieß, kam als 2jähriger ins Heim. Wegen seiner Sprachlosigkeit und den schrecklichen Erfahrungen, die er auf der Flucht erleiden musste, galt er als schwachsinnig. Die 10 Jahre ältere Margret kümmert sich um ihn und hört ein Leben lang nicht mehr damit auf. Auch sie hat schreckliche Dinge erlebt, die sie für ihr Leben geprägt haben. Ihre Tochter, ihre Enkeltochter und die Urenkelin, die in großen Schwierigkeiten steckt, ahnen davon nichts.
Ein weiteres wichtiges Thema ist der Analphabetismus von Hardy. Trotz seines unermütlichen Fleißes und seiner vielen Begabungen kommt er in der Gesellschaft nicht zurecht, ein Besuch beim Arzt oder bei der Bank wird für ihn zum unüberwindbaren Problem, sofort fällt er in seinen Hospitalismus zurück.
Das Buch packt einen von der 1. Seite an, man liest atemlos weiter, hofft und bangt mit seinen Heldinnen und Helden. Susanne Abel kann unfassbar gut über Verdrängtes und Verschwiegenes schreiben, was sie schon bei „Stay away from Gretchen“ und „Was ich nie gesagt habe“ bewiesen hat. Unbedingt lesen!