Unser Tipp für Sie
Bei der Einäscherungsfeier von Grandmére am Friedhof Père Lachaise schlägt Serges Tochter vor, gemeinsam nach Auschwitz zu fahren, und so reisen die Geschwister Popper gemeinsam nach Polen, um nach verschollenen Angehörigen zu suchen.
Reza beschreibt wie üblich mit beißender Ironie eine jüdische Familie und deren Schwurbeleien, die kaum auszuhalten sind, und uns doch immer wieder an uns selbst erinnern. Menschen wie von Hopper gemalt, wie an einer der besten Stellen des Buches eindrücklich beschrieben.
Das ist großartig gemacht, allerdings muss man, wie immer bei Yasmina Reza, viel Sarkasmus ertragen. Keine der Figuren kommt einem näher, keine wirkt sympathisch, trotzdem wünscht man ihnen am Ende viel Glück.
Für alle, die moderne Theaterliteratur und Gesellschaftskritik lieben!
Beschreibung
Der neue Roman von Yasmina Reza: Dieses meisterliche Buch gehört zum Besten, was es derzeit zu lesen gibt. Nils Minkmar, Süddeutsche Zeitung Die Geschwister Popper: Serge, verkrachtes Genie und homme à femmes, Jean, der Vermittler und Ich-Erzähler, und Nana, die verwöhnte Jüngste mit dem unpassenden spanischen Mann. Eine jüdische Familie. Nach dem Tod der Mutter entfremdet man sich immer mehr. Zu ihren Lebzeiten hat keiner die alte Frau nach der Shoah und ihren ungarischen Vorfahren gefragt. Jetzt schlägt Serges Tochter Joséphine einen Besuch in Auschwitz vor. Virtuos hält Reza das Gleichgewicht zwischen Komik und Tragik, wenn bei der touristischen Besichtigung die Temperamente aufeinanderprallen. Hinter den messerscharfen Dialogen ist es gerade die existentielle Hilflosigkeit dieser Menschen, die berührt.
Über Yasmina Reza
Yasmina Reza, 1959 geboren, ist Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin und die meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin. Bei Hanser erschienen u.a. Glücklich die Glücklichen (Roman, 2014), Babylon (Roman, 2017), für den sie mit dem Prix Renaudot 2016 ausgezeichnet wurde, Kunst (Schauspiel, 2018), Der Gott des Gemetzels (Schauspiel, 2018), Bella Figura (Schauspiel, 2019), Drei Mal Leben (Schauspiel, 2019), Anne-Marie die Schönheit (2019), Serge (Roman, 2022) und James Brown trug Lockenwickler (Schauspiel, 2023). Für ihr Werk wurde sie zuletzt mit dem Jonathan-Swift-Preis 2020, dem Premio Malaparte 2021 und dem Prix de l'Académie de Berlin 2022 ausgezeichnet. Das Theaterstück Der Gott des Gemetzels wurde 2011 sehr erfolgreich von Roman Polanski verfilmt, hochkarätig besetzt mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly.