Mein Buchtipp im Februar 23: Rachel Elliott, Flamingo

Erinnern Sie sich noch an „Bären füttern verboten“, das erste Buch von Rachel Elliott? Da geht es um eine Freerunnerin, die nach 30 Jahren plötzlich mit einem Trauma in ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Warmherzig und intensiv erzählt Rachel Elliott von einer Außenseiterin, die in der Begegnung mit  Menschen die genauso verrückt und bunt sind wie sie, Trost und Menschlichkeit findet.

Natürlich musste ich sofort „Flamingo“ verschlingen: Eine weitere Tierfamilie – ein Königreich Flamingos – prägt das türkisfarbene Cover des Mare-Buches. Gleich zu Beginn eine herzzerreisende Szene: Der 41-jährige Daniel Barry, der seit 5 Tagen auf der Straße lebt, findet sich heulend, verdreckt und triefend vor Nässe am Boden einer Stadtbücherei wieder.

Kurz vorher war er gleichzeitig wohnungs- und beziehungslos geworden, hatte seinen kompletten Besitz einem Sozialkaufhaus gespendet und aktuell keinen Plan für die Zukunft. Am Tiefpunkt seines Lebens erinnert er sich an ein Haus mit einer Kolonie Flamingos im Vorgarten und macht sich auf den Weg.

Klar, dass dieser Weg zurück in seine Kindheit geht, die er mit seiner sehr jungen Mutter während der ersten Jahre  fast nur auf der Flucht verbrachte. Das Haus mit den Flamingos im Vorgarten schien ein lange ein sicherer Ort zu sein, aber auch dort brach die Mutter scheinbar grundlos sämtliche Kontakte ab.

Am Ende der Lektüre kam es mir so vor, als würde ich zum Personal dieser Geschichte dazugehören, ich hatte sie alle so liebgewonnen mit ihren Marotten und Geheimnissen, ihren Peinlichkeiten und ihrem Schmerz. Wer dies jetzt liest, muss überzeugt davon sein, dass dieses Buch hoffnungslos kitschig ist, aber so ist es nicht. Es ist intelligent und anregend, man erfährt so einiges, z. b. über Namen von Tiergruppen und eine Gesellschaft namens FaZ – Fremde auf Zeit, gut geeignet für Menschen, die ihre Freizeit nur in Gesellschaft von Fremden ertragen können.

Ein typisches Mare Buch, geeignet für ein langes Lesewochenende, bei dem Sie möglichst nicht ihr Buch aus der Hand legen müssen!


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