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ISBN/EAN: 978-3-8031-2829-4
Einband: kartoniertes Buch
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Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
144 S.
Format (T/L/B):
1.3 x 19 x 12 cm

Hersteller:
Verlag Klaus Wagenbach GmbH
Jörg Englbrecht
mail@wagenbach.de
Emser Str. 40/41
DE 10719 Berlin


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Unser Tipp für Sie

Suzu lebt in einer japanischen Großstadt, in einer 1K, einer Einzimmerwohnung mit Küche . Ihre Arbeitstage als Hilfskellnerin verbringt sie unter Qualen, vermeidet Kontakte mit Menschen und freut sich, in die abendliche Routine mit ihrem Hamster abzutauchen, bis ihr gekündigt wird. Dann nimmt sie einen Job als Leichenfundortreinigerin an, und merkt, wie sie diese Arbeit erfüllt. Ihr Team wird angehalten, den Leichen, die zum Teil monatelang  unentdeckt blieben, einen würdigen Abschied zu geben und deren Wohnorte blitzblank zu hinterlassen.

Kodokushi  nennt man in Japan diese Fälle, das sind einsam Verstorbene, die alleine in ihrer Wohnung verstarben und lange Zeit unentdeckt blieben. Darum geht es auch in diesem Buch, um die zahllosen Menschen, die einsam und unbemerkt in einer anonymen Großstadt leben. Auch Suzu gehört dazu, ihre Schüchternheit und ihre anerzogenen Moralvorstellungen halten sie davon ab, sich anderen Menschen zu öffnen oder diese überhaupt wahrzunehmen.

Ich muss gestehen, dass ich erst langsam mit der Protagonistin warm geworden bin, zu fremd und verstörend erschien mir die Geschichte zunächst.

Allerdings kenne ich Michiko Flasars Debut, „Sie nannten ihn Krawatte“, ein Buch über ein weiteres (nicht nur) japanisches Phenomen, Hikikomori : Das sind junge Menschen, die sich freiwillig über mehrere Monate oder Jahre in ihrem Elternhaus einschließen, weil sie sich den Anforderungen ihrer Leistungsgesellschaft nicht gewachsen fühlen.

Daher wusste ich, dass ich an Suzus Geschichte dranbleiben sollte – und ich wurde nicht enttäuscht. Michiko Flasar hat einen weiteren warmherzigen, unbedingt lesenswerten Roman über die Auswüchse einer hochzivilisierten, unerbittlichen Gesellschaft geschrieben. Sie findet ihre eigenen, zutiefst menschlichen Antworten auf die Einsamkeit.

 

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Beschreibung

Nur wenige sorgfältig gewählte Worte benötigt Milena Michiko Flasar, um ihre Figuren zum Leben zu erwecken, nur wenige Szenen, um ganze Schicksale zu erzählen. Ein junger Mann verlässt sein Zimmer, in dem er offenbar lange Zeit eingeschlossen war, tastet sich durch eine fremde Welt. Eine Bank im Park wird ihm Zuflucht und Behausung, dort öffnet er die Augen, beginnt zu sprechen und teilt mit einem wildfremden Menschen seine Erinnerungen. Der andere ist viele Jahre älter, ein im Büro angestellter Salaryman wie Tausende. Er erzählt seinerseits, über Tage und Wochen hinweg, Szenen eines Lebens voller Furcht und Ohnmacht, Hoffnung und Glück. Beide sind Außenseiter, die dem Leistungsdruck nicht standhalten, die allein in der Verweigerung aktiv werden. Aus der Erfahrung, dass Zuneigung in Nahrung verpackt, Trauer im Lachen verborgen werden kann und Freundschaften möglich sind, stärken sie sich für einen endgültigen Abschied und einen Anfang.

Über Milena Michiko Flasar

Milena Michiko Flasar ist 1980 in St. Pölten geboren. Ihr Roman 'Ich nannte ihn Krawatte' wurde über 100.000 Mal verkauft, als Theaterstück am Maxim Gorki Theater uraufgeführt und mehrfach ausgezeichnet. Er stand unter anderem 2012 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde in zahlreichen Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Wien.